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Wer hat den Weihnachtsmann erfunden? ▷ Die ausführliche Antwort

Weihnachtsmann

Wer hat den Weihnachtsmann erfunden? Foto: Subbotina Anna | Shutterstock

Der Weihnachtsmann

Roter Mantel, schwarze Schuhe, dicker Rauschebart: So wird der Weihnachtsmann allseits beschrieben. Er verteilt in der Weihnachtsnacht mit seinem Schlitten, der von acht fliegenden Rentieren gezogen wird, auf der ganzen Welt Geschenke. Wo kommt die Legende des Weihnachtsmannes her? Hat Coca-Cola mit seiner Weihnachtswerbung den Rotmantel kreiert? Wo wohnt der Weihnachtsmann? Das ist ein ganzer Weihnachtssack voller Fragen. Wir geben im folgenden Artikel Antworten darauf.

Lesezeit: 7 Minuten

Der Heilige Nikolaus als Gabenbringer

Der Weihnachtsmann kommt nicht von drauß‘ vom Walde. Die Ursprünge der rotgewandeten Figur reichen weit in die Vergangenheit. Schon vor Christus werden vereinzelt Geschichten überliefert, die sich mit den Erzählungen des Heiligen Nikolaus mischen. Dieser lebt im vierten Jahrhundert nach Christus in Myra in der heutigen Türkei und verteilt Geschenke. Einer überlieferten Erzählung zufolge soll der Bischof von Myra eine verarmte Familie unterstützt haben, um die Töchter vor der Prostitution zu bewahren. Der Heilige Nikolaus wirft die Geschenke durch den Schornstein. Sie landen in dort aufgehängten Socken; daher stammt der Brauch, am Weihnachtsabend Stiefel und Strümpfe aufzustellen. Der Bischof rettet vielen Menschen das Leben und dank seiner Mithilfe entgehen die Menschen von Myra einer Hungersnot.

Der Heilige Nikolaus starb vermutlich an einem 6. Dezember. Deshalb stellen viele Kinder an diesem Tag ihre Stiefel vor die Tür. Die Geschichten um den Heiligen Nikolaus verbreiten sich überregional. Zwei Jahrhunderte nach seinem Tod ist er einer der beliebtesten Heiligen der griechisch- und russisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaften. Im 10. Jahrhundert erreichen die Geschichten über Italien auch Deutschland. Belege als Gabenbringer existieren seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Am Nikolaustag beschenkt er Kinder, die „fleißig, fromm und brav“ sind. Überlieferungen zufolge finden sie in ihren Stiefeln „Apfel, Nuss und Mandelkern“, hin und wieder auch Kleidung und nützliche Alltagsgegenstände. Nikolaus gilt seit jeher als „Freund der Kinder“. Er wird als Schutzpatron vieler Berufe verehrt, darunter Fischer, Bäcker und Apotheker.

Das Christkind löst den Nikolaus ab

Einen Rückschlag erleidet die Popularität des Heiligen Nikolaus während der Reformation durch Martin Luther. Er vermittelt den Gläubigen, dass sie keinen heiligen Vermittler bräuchten und direkt zu Gott beten sollten. Um Jesus in den Mittelpunkt des Glaubens zu stellen, führt Luther das Christkind ein. Ob es sich dabei um das Jesuskind selbst oder eine engelsähnliche Figur handeln soll, ist bis heute umstritten. Dieses sorgt nicht mehr zu Beginn des Monats, sondern am Heiligabend für die Bescherung. Ab dem 17. Jahrhundert lebt mit der Gegenreformation der geschenkebringende Nikolaus wieder auf.

Begleitet wird er nun von Knecht Ruprecht, der unartige Kinder bestraft. Dieser taucht erstmals in germanischen Sagen auf. Später wird aus der Kombination von beiden die Figur des Weihnachtsmannes. Die rote Farbe des Mantels erinnert noch immer auf das Gewand des Bischofs. Die ausladende Kapuze und den weißen Pelz steuert Knecht Ruprecht bei. Im Gegensatz zum Nikolaus trägt der Weihnachtsmann heute keine Mitra und keinen Bischofsstab mehr.

Weihnachtsmann vs. Christkind

Vor dem 19. Jahrhundert bringt in Deutschland das Christkind die Geschenke. Aber nur den evangelischen Kindern, die katholischen werden weiterhin vom Nikolaus beschert. Im Laufe der Jahre wandelt sich der Geschenkebringer. Das Christkind hält Einzug in die katholischen Bräuche und der Weihnachtsmann tritt bei evangelischen Familien in Erscheinung. Es kommt zu einer Mischung der Traditionen, weshalb vieles „katholisch wurde, was typisch evangelisch war und andersherum“.

Heutzutage spalten die beiden Gabenbringer Deutschland. Für viele Kinder zählen sie zu den wichtigsten Figuren an Weihnachten, denn sie legen die Geschenke unter den Baum. Aber es kommt immer nur einer von beiden ins Haus. Ob der Weihnachtsmann katholisch oder evangelisch ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Eine Befragung aus dem Jahr 1932 zeigt, dass der Weihnachtsmann das Christkind in nord- und ostdeutschen Familien überwiegend abgelöst hat. Dieses verteilt bei den katholischen Familien im Süden und Westen die Geschenke. Wo welcher Gabenbringer erscheint, ist demnach auch geografisch bedingt.

Die Kommerzialisierung des Weihnachtsmannes

Holländische Einwanderer sorgen durch die Figur des „Sinterklaas“ für die Grundlage des Weihnachtsmannes. St. Nikolaus erobert in Form von Santa Claus Amerika. Der Weihnachtsmann beschert die Kinder in der Nacht auf den 25. Dezember. Er bekommt sein endgültiges Aussehen verpasst. Roter Mantel und Zipfelmütze sind sein Markenzeichen. Vermischt mit Vorstellungen eines Väterchens Frost, welche aus Deutschland stammen, bekommt der Weihnachtsmann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine individuelle Bekleidung.

Nach und nach entwickelt sich der Weihnachtsmann zu einer eigenständigen Figur. Der Erfinder dieser „neuen“ Weihnachtsgestalt ist der 1840 im pfälzischen Landau geborene Thomas Nast. 1846 wandert er mit seiner Mutter nach Amerika aus. Während des dortigen Bürgerkriegs erfindet der Karikaturist den amerikanischen Weihnachtsmann. Der noch 1809 im Buch „Knickerbockers Geschichten“ von Washington Irving beschriebene Mann mit „tiefem Hut mit breiter Krempe“, der eine flämische Hose trägt und Pfeife raucht, verwandelt sich in den Weihnachtsmann, so wie wir ihn heute kennen. Mit seiner Zeichnung von Santa Claus‘ Bescherung bei den Unionstruppen, welche sich Abraham Lincoln gewünscht hat, trifft Thomas Nast den Zeitgeist wie kaum ein anderer. Aus dem pfälzischen Gabenbringer „Pelznickel“ seiner Kindheit und dem niederländischen „Sinterklaas“ kreiert er den Weihnachtsmann. Seine Kleidung ist mit patriotischen Sternen besetzt und die Mitra des Bischofs‘ verwandelt sich in eine pelzbesetzte Mütze. Aus dem Weihnachtsmann hat Nast eine nationale Trostgestalt gemacht.

Coca-Cola verpasst ihm schließlich 1932 die typischen Farben Rot und Weiß. Der Zeichner Haddon Sundblom, ein Sohn finnischer Einwanderer, fällt die finale Gestaltung des Weihnachtsmanns zu. Er entscheidet sich für einen großväterlichen Weihnachtsmann mit rotem Mantel und weißem Pelzbesatz. Der Rauschebart darf nicht fehlen. Pate für die freundlichen Gesichtszüge steht ein pensionierter Mitarbeiter der Firma. Bis 1966 gestaltet Sundblom jedes Weihnachten einen neuen Weihnachtsmann. In den späten Werken verewigt er sich selbst, indem er Santa Claus seine eigenen Gesichtszüge verpasst.

Wo lebt der Weihnachtsmann?

Viele glauben, dass der Weihnachtsmann in seiner Weihnachtsgeschenke-Werkstatt am Nordpol lebt. 1925 finden Zeitungen heraus, dass es dort für die fliegenden Rentiere nicht genügend Weidefläche gibt. Sie geben einstimmig bekannt, dass der Weihnachtsmann in Lappland lebt. Markus Rautio, der die beliebte Kinderstunde im finnischen Radio moderiert, verrät 1927: Der rauschbärtige Geselle lebt mit seinen Elfen auf einem Berg namens Korvatunturi im finnischen Lappland. Der Berg ist wie Hasenohren geformt. Aus diesem Grund erzählen die Finnen ihren Kindern, dass der Weihnachtsmann dadurch hören kann, ob sie brav sind. In Deutschland haben der Weihnachtsmann und das Christkind insgesamt sieben Anschriften. Darunter 21709 Himmelpforten bei Stade und 31137 Himmelsthür bei Hildesheim.

Gedichte und Erzählungen über den Weihnachtsmann

Ein berühmtes Gedicht von Clemens C. Moore beschreibt den Weihnachtsmann 1822 in „Twas the Night Before Christmans“. Hoffmann von Fallersleben textet 1835 das bekannte Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. 1897 schreibt die achtjährige Virginia O’Hanlon aus New York einen Brief an die Tageszeitung „Sun“ mit der Frage, ob es den Weihnachtsmann gibt. Die Antwort darauf war dem damaligen Chefredakteur so wichtig, dass er seinen erfahrensten Kolumnisten Francis P. Church bat, eine Antwort zu entwerfen. Der Kriegsreporter fand berührende Worte: „Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue.“ Bis zur Einstellung der „Sun“ 1950 wurde der Briefwechsel jedes Jahr zu Weihnachten auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt. Seit 1977 erscheint er bei uns in der Welt am Sonntag und lokalen Tageszeitungen.

Von den ursprünglichen Legenden über den Nikolaus bis hin zum heutigen Weihnachtsmann kamen die unterschiedlichsten weihnachtlichen Bräuche aus der ganzen Welt zusammen. Sie bereicherten die Erzählungen des heutigen Weihnachtsmannes. Sie trugen zu der legendären Geschichte bei, die den nie alternden, geschenkebringenden Mann mit weißem Bart und rotem Mantel unsterblich macht.

[yarpp]
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